Montag, 15. Februar 2010

caffé gegen kännchenkaffee?

so nun muss ich mal darauf hinweisen: die liebe katharina hat das kännchen kaffee hochleben lassen.
was soll ich sagen? ich liebe espresso. wie sollte ich das auch als halbitalienerin anders empfinden? mit dem deutschen filterkaffee - gibt es eigentlich ausser in deutschland und den usa noch andere filterkaffee-länder? - kann ich mich nicht anfreunden, konnte es noch nie und werde es vermutlich auch nie. er schmeckt einfach nach zu lange gekocht.

aber an die zeiten, als es in deutschen kaffeehäusern und konditoreien nur filterkaffee gab kann ich mich sehr wohl erinnern. an diese atmosphäre, in der ältere damen wöchentlich ihre kännchen kaffee und frankfurter kranz bestellten, die lila-silbernen locken zusammensteckten und empört tuschelten. und die tapeten waren geblümt, die böden beteppicht, die kellnerinen beschürzt und ich ein kind, dass sich immer unendlich fremd gefühlt hat, weil meine oma zuhause kaffee in der mühle mahlte und ihn dann in einem emaille-kännchen kochte, bis er aufschäumte. aber das beste an diesem kaffee waren der ledomed und die verlangsamung der zeit, wenn sich meine oma, meine mutter und meine tante (mit ihren langen rotlackierten fingernägeln) an den runden wohnzimmertisch setzten und ich die gefrorene ledomed-sahne in den heissen kaffee plumpsen lassen und dann den löffel abschlecken durfte, an dem noch ein kleiner rest der gefrorenen sahne gemischt mit kaffee übrig blieb. meine erster kaffee!
am ende, wenn oma, mutter und tante den  kaffee getrunken hatten, drehten sie die tassen um, stellten sie kopfüber auf die unterteller und warteten darauf  was die zukunft in den kaffeesatz schrieb.  meistens war es viel geld, grosse männer und konflikte, die zu unsern gunsten überwunden wurden.  war das leben einfacher?

aber der beste caffé meines lebens kam erst viel später, vor einigen jahren in palermo. an einem heissen julitag. kurz, stark und mit einer unglaublichen crema... espresso halt! in einer winzigen bar,  an deren namen ich mich nicht mehr erinnere, irgendwo an einer dicht befahrenen strasse, die ich nie im leben wieder finden würde. plakativ? aber wahr.

und heute... bin ich froh, wenn ich morgens schnell meinen cappuccino trinken kann, bevor mein sohnemann mich irgendwo hinzieht oder ein buch ansehen will, wie jetzt gerade... also bis zur nächsten caffé-pause!

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